

Für all jene, die ein wenig mehr über diese Trendsportart wissen möchten...
Konzeption.
Nordic Walking hat in den letzten Jahren in Finnland einen wahren Boom erlebt. Nach Angaben des Suomen Latu ry (Finnischer Freizeit Verband) betreiben 480 000 Finnen regelmäßig (mind. 1x/Woche) Nordic Walking, was einem Anteil von 16% der gesamten Bevölkerung entspricht. Mit diesen eindrucksvollen Zahlen kann Nordic Walking in Österreich noch nicht aufwarten, doch auch hier gibt es enorme Zuwachsraten. Nordic Walking scheint einer der am meisten wachsenden Sportarten der Zukunft zu werden.
Am Anfang der 90er Jahre hat sich Nordic Walking einerseits aus dem Sommertraining der Skilangläufer, andererseits aus der in Finnland sehr populären Freizeitaktivität „Gehen“ entwickelt. Nordic Walking bedeutet Gehen mit verkürzten Skilanglauf-Stöcken (Ripatti, 2002). Der Stockeinsatz ist beinahe vergleichbar mit dem Bewegungsablauf der Arme im klassischen Skilanglauf, wobei fast alle Muskelgruppen beansprucht werden
Nordic Walking stellt aufbauend auf einem ganzheitlichen Gesundheitsbegriff den perfekten „Gesundheitssport“ bzw. eine optimale Bewegungsform dar. Gesundheit ist diesem integrativen Verständnis nach beruhend auf dem dreidimensionalen Persönlichkeitsmodell der ökologischen Psychologie von drei Faktoren bestimmt:
- vom Verhältnis zu sich selbst (Selbstbezug)
- zu Mitmenschen (Sozialbezug) und
- zur Natur (Umweltbezug)
Dreidimensionales Persönlichkeitsmodell der Ökologischen Psychologie.
Die Gesundheit des Menschen stellt sich zunehmend auch als eine Frage der Gesundheit des Planeten (Lovelock 1992) dar, da wir in einen Teufelskreis geraten sind, den Größing (1999, 8) folgendermaßen beschreibt: „Auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden bedacht, schädigen und zerstören wir Menschen unsere Mitwelt, die ihrerseits in diesem Zustand schädigend und zerstörend auf unseren Körper und über ihn auf uns als ganze Person wirkt.“ Gesundheit kann deshalb kein, wie in den meisten Gesundheitstheorien dargestellt, ausschließliches psychophysisches und soziales Wohlbefinden sein, sondern nur in der Dreiheit der Faktoren gedeihen. Den dritten Faktor stellt dabei das Wohlbefinden zur Natur dar, dass nach Kuckhermann (1993, S.58) durch „die ökologisch stimmige Einbettung des Menschen in eine natürliche und kulturelle Realität“ gekennzeichnet ist.
Nordic Walking berührt alle drei Faktoren der Gesundheit und ist aus diesem Grund eine ideale gesundheitsförderliche Bewegungsform.
Nordic Walking ist eine Ausdauersportart, wobei durch den Stock-Einsatz die Belastungsintensität im Gegensatz zum normalen Gehen vergrößert wird. Der psychophysische Faktor wird somit durch Nordic Walking positiv beeinflusst. Im Vergleich zum gewöhnlichen Gehen vermehrt Nordic Walking den Energie- und Sauerstoffverbrauch und erhöht die Herzfrequenz (BUTTS et al. 1995, LARKIN 1992, RODGERS et al 1995), zudem steigert die durchgeführte Ganzkörperbewegung die Muskelausdauer des Oberkörpers(LARKIN 1992, McARDLE et al. 1991, PORCARI 1997).
Nordic Walking eignet sich besonders als Gruppensport, da sich Personen unterschiedlicher Leistungsniveaus durch die Dosierung des Stockeinsatzes optimal zusammen bewegen können. Dadurch wird das soziale Wohlbefinden gesteigert.
Nordic Walking eröffnet durch die Ausübung in der freien Natur vielfältige Möglichkeiten des Naturerlebens und der Naturerfahrung. Das Wohlbefinden zur Natur als dritter Faktor der Gesundheit wird somit angebahnt.
Geschichte und Entwicklung.
Die Wurzeln von Nordic Walking finden sich im Skilanglauf. Bereits in den 30er Jahren wurde Nordic Walking als Sommertraining für Spitzenathleten aus den Bereichen Skilanglauf, Biathlon und Nordische Kombination angewandt.
1992 wurde in der amerikanischen Fachliteratur das „Pole Walking“ (Pole = Skistock) vorgestellt. Darunter verstand man Walking mit modifizierten Skistöcken zur Unterstützung der typischen Walking-Armbewegungen.
In den ersten wissenschaftlichen Studien von Stoughton, Larkin und Karavan (1992) und Hendrickson (1993) wurden die positiven Effekte auf Ausdauer, Trainingsreize und psychologische Profile nachgewiesen.
Aufgrund dieser positiven Studienergebnisse entwickelten Sportwissenschafter und Sportmediziner in Zusammenarbeit mit dem finnischen Stockhersteller EXEL den neuen Trendsport Nordic Walking zu einer Form des Fitnesstrainings für jedermann. Durch Zuhilfenahme der eigens für diese Sportart konzipierten Stöcke aus einem Carbon/Glasfasergemisch mit einem speziellen Handschlaufensystem, werden sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch 90% der gesamten Körpermuskulatur trainiert.
Im Frühjahr 1997 wurde Nordic Walking in Finnland zum ersten Mal als eigenständiger Fitnessport der Öffentlichkeit vorgestellt.
Diese äußerst effektive Sportart ist daraufhin in Finnland zum Volkssport geworden. Von dort hat sich Nordic Walking über Skandinavien, die USA und Japan nach Mitteleuropa verbreitet.
2001 wurde die INWA, die Internationale Nordic Walking Association gegründet. Ziele der INWA sind die Sicherung von höchsten Qualitätsstandards in der Ausbildung der weltweiten Nordic-Walking-Instruktoren, die wissenschaftliche Aufarbeitung von Gesundheits- und Trainingsaspekten, das Vorantreiben der technologischen Entwicklung sowie die Förderung und Verbreitung von Nordic Walking.
Text zur Verfügung gestellt von:
www.anwa.at



